Wie das Militär die US-Gesellschaft durchdrungen hat [1]


  

1. Statt einer Einleitung:  Die Drehtür zwischen Politik, Militär und Industrie


Die großen US-Rüstungskonzerne sind praktisch US-Bundesbehörden, da sie mit dem US-“Verteidigungs“ministerium (DoD) fast nur einen Auftraggeber haben. Sie bleiben aber offiziell "privat" weil man in der „freien Wirtschaft“ als „Führungskraft“ wesentlich mehr „verdient“, als im (offiziell) öffentlichen Sektor. Vergleicht man aber die Abhängigkeit der Rüstungskonzerne vom  DoD kann man die wichtigsten US-Rüstungskonzerne nur als Scheinselbstständig bezeichnen.


Aufträge des DoD schlugen z.B. bei Lockheed Martin mit folgenden Anteilen am Umsatz zu Buche:

         2003: 78 %, dies waren 21,9 Mrd. $

         2004: 80 %, dies waren 20,7 Mrd. $

         2005: 85 %, dies waren 19,4 Med. $

         2006: 84 %, dies waren 26,6 Mrd. $


Für den Rest des Umsatzes sind „befreundete Regierungen“ zuständig.  


Hohe Militärs in den USA wechseln schon seit Jahrzehnten zwischen Militär, DoD und Rüstungsindustrie und zurück. Zwischen Januar 1997 und Mai 2004 wechselten mindestens 224 hohe Beamte des DoD und anderer Bundesbehörden zu den 20 größten Rüstungskonzernen.


Hierzu rechnet zum Beispiel  Edward C. "Pete" Aldridge Jr., dessen Vita es in sich hat:

    

Anfang der 1960ger: Douglas Aircraft

     1967: DoD "Systemanalyse"    

     1972: Seniormanager CTV Aerospace Co.    
     1974: DoD "strategische Programme"

     1977: Vizepräsident der National Policy and System Group

     1981: Untersekretär US Air Force
    
     1986: Sekretär US Air Force
    
     1988: Präsident der Mc Donnell Douglas Electronic System Co.
    
     1992: Aerospace Co.
    
     2001: DoD Untersekretär für Beschaffung, Logistik und Technologie
    
     2003: Mitglied des Board von Lockheed Martin, nachdem er Lockheed
                Martin einen 200 Mrd. $ Auftrag für die Entwicklung und den Bau
                des F-35 Kampfflugzeugs beschafft hatte


Die Bush-Regierung war besonders gut mit Lockheed-Martin verbandelt (s.o.). D. Cheney´s Schwiegersohn P.J. Perry war registrierter Lockheed-Lobbyist. Frau Cheney war bis 2001 im Board von Lockheed. Dem Aktienkurs von Lockheed-Martin hat die enge Verbundenheit mit der Bush-Regierung sicherlich nicht geschadet, wie man nachfolgend erkennen kann: 

       Mai 2001: 36,62 $/Aktie

       2003: 47,52 $/Aktie
       Oktober 2007: 108,61 $/Aktie


  

2. Das Militär und die Universitäten


Die US-Streitkräfte haben ihre eigenen Universitäten. Hier ist das Forschungsbudget mit knapp über 100.000.000 $ (im Jahr 2002) allerdings eher bescheiden.


Seit dem zweiten Weltkrieg erhalten aber die „zivilen“ Universitäten sehr große Geldbeträge für die Rüstungsforschung. Im zweiten Weltkrieg hatten folgende Universitäten jeweils etwa 10 Mio. $ erhalten – eine für die damaligen Verhältnisse sehr große Summe

      - MIT, Cambridge / Boston

       - California - Institute of Technology, Pasadena
       - Harvard University, Cambridge / Boston

       - Columbia University, New York

       - Universtity of California, Berkley
       - John Hopkins  University, Baltimore


Die Forschungsgelder wurden seitdem deutlich großzügiger verteilt, wie das Beispiel der MIT – des wichtigsten Empfängers von Geldern zur Rüstungsforschung – zeigt:

       - zweiter Weltkrieg: 10 Mio. $

       - 1969: mehr als 100 Mio. $
       - 2003: mehr als 500 Mio. $

       - 2006: mehr als 600 Mio. $ [2]


Damit war das MIT im Jahr 2006 auf Platz 45  der wichtigsten Empfänger von Pentagon-Geld.


Aber – wie bereits oben angedeutet – ist das MIT nicht die einzige Universität, die erhebliche Gelder für die Waffenforschung erhalten.  2006 haben mehr als 350 Universitäten in den USA Forschungsgelder vom Pentagon erhalten.

Dies hat Auswirkungen auf die Richtung der Forschung in den USA. Im Jahr 2004 kamen folgende Anteile der öffentlichen Forschungsgelder vom DoD:      

        - 68 % Elektrotechnik / Elektronik

        - 50 % Metallurgie

        - 35 % Ozeanografie


Dies bedeutet, die Universitäten sind extrem von Rüstungsgeldern abhängig. Und: In den USA wird schwerpunktmäßig an der Waffenentwicklung geforscht, andere Gebiete sind offensichtlich zweitrangig!


Hinzu kommen Forschungs- und Entwicklungsgelder, die von den Rüstungskonzernen direkt ausgegeben werden. Zusammen mit den Forschungsgeldern in den Universitäten gab das DoD im Jahr 2006 mehr als 73.000.000.000 $ (in Worten: Dreiundsiebzigmilliarden) für die Rüstungsforschung aus.  

Dies ist deutlich mehr, als das nächste Land insgesamt für das Militär ausgab (China hatte 2006 einen Rüstungsetat von offiziell „nur“ 45 Mrd. $).



3. Fakten, Fakten, Fakten zum US-Militär


3.1 Treibstoffverbrauch

Der Treibstoffverbrauch des US-Militärs ist gigantisch. Die US-Streitkräfte gaben 2005 drei mal so viel Geld für Treibstoff aus (8 Mrd. $), als für Munition (2,7 Mrd. $).  Die US-Militärmaschinerie braucht also zum Überleben Öl.


Nachfolgend ein paar Zahlen zum Treibstoffverbrauch während der US-Kriege:

  

   - Afghanistan zwischen dem 1.10.2001 und dem 9.8.2004:
                            7.181.177.222 l Treibstoff insgesamt
 

    - Irak zwischen dem 19.3.2003 und dem 9.8. 2004:

                           4.200.571.249 l nur Kerosin (für „Luftschläge“)


Der Gesamtverbrauch der US-Streitkräfte liegt gemäß offiziellen Zahlen der Defence Logistic Agency bei 10 bis 11 Mio. Barrel im Monat bzw. etwa 365.000 Barrel am Tag [3]. Der Ölverbrauch des US-Militärs ist damit höher, als der Ölverbrauch Schwedens!


  

3.2 Land- und Immobilienbesitz

Das US-Militär besitzt alleine in den USA mehr als 29 Mio. Acres, das sind mehr als 117.000 km².  Zum Vergleich: die 10 größten privaten Grundbesitzer in den USA nennen zusammen „nur“ 10,6 Mio. Acres ihr Eigen. Das US-Militär besitzt alleine in den USA eine größere Fläche, als jeweils Österreich, Portugal oder Dänemark haben.


Die 20 kleinsten Staaten auf der Welt haben zusammen mit 7.518 km² weniger Fläche, als die größte US-Militärbasis (White Sands Missle Range in New Mexico mit 9.307 km²).


Dazu kommen riesige Flächen im Ausland, die sich – ohne Berücksichtigung der Basen in Afghanistan und Irak – auf 711.000 Acres oder 2.900 km² addieren.


Im Jahr 2005 gab es offiziell – aber ohne die Basen im Irak und in Afghanistan -  725 US-Basen im Ausland. In diesen 725 Basen waren 255.000 (ausländische) Angestellte beschäftigt. 2008 wurden bereits mehr als 800 Basen im Ausland genannt.


Das US-Militär besaß 2005 mehr als 587.000 Gebäude und Strukturen, davon 466.599 in den USA. Damit besitzt das US-Militär etwa 75% der Bundesgebäude in den USA.



4. Das US-Militär und die Medien


4.1 Das Militär und Hollywood

Es ist eigentlich logisch, dass alle vier US-Teilstreitkräfte Verbindungsoffiziere zu den Filmgesellschaften in Los Angeles haben.


Die Produktion von wehrkraftfördernden Filmen gab es schon seit die Bilder laufen lernten.


In den 1950ger und 1960ger Jahren wurden durch das DoD z.B. Filme gefördert, die einen Atomkrieg in einem positiven Licht zeigen sollten. Es wurden Bomber und Militäreinrichtungen zur Verfügung gestellt. Beispiele:

     - 1955 der Film „Strategic Air Command“

     - 1963 der Film „A Gathering of Eagles“


Neben dem Atomkrieg warb man mit dem Medium „Film“ intensiv für „Spezialeinheiten“, z.B.

     - 1968 „The Green Barets“ mit Rock Hudson [4], in dem das DoD alle
       militärische Ausrüstung zur Verfügung stellte.


Daneben wurden die US-“Helden“ im zweiten Weltkrieg intensiv gefeiert, wofür dem DoD nichts zu teuer war:

     - 1970 der Film „Tora! Tora! Tora!“, in dem das DoD die gesamte
       Ausrüstung unentgeltlich stellte und sogar eigene Hangers in die Luft
       sprengte


Oder 1976 der Fiilm „Midway“ in dem die Filmgesellschaft zwei Wochen einen kompletten Flugzeugträger – die USS Lexington – erhielt.


Nachfolgend werden weitere moderne Filme genannt, die sich der erheblichen materiellen Unterstützung durch das DoD erfreuen konnten (nur beispielhaft, keine vollständige Aufzählung):

    - „The Right Stuff“

    - „Apollo 13“

    - „True Lies“

    - „Navy Seals“

    - „Men of Honor“

    - „Top Gun“

    - „Pearl Harbor“

    - „Black Hawk Down“

    - „Transformers“

    - „Iron Man“


Nur wenige Kriegsfilme aus den USA erhielten keine Unterstützung, genannt seien „Apocalypse Now“ oder die Serie MASH.



5. Ausgaben des Pentagon-Etats

Herr Rumsfeld teilte auf einer Pressekonferenz am 10.09.2001 (also einen Tag vor den Anschlägen) mit, dass es in den letzten Jahren für Ausgaben des „Verteidigungs“ministeriums von 2.300.000.000.000 $ oder etwa 1/3 des Pentagonetats keine Belege gäbe! Diese ungeheuerliche Nachricht ging angesichts der Anschläge am nächsten Tag vollkommen unter.

Sie wurde von den Qualitätsmedien auch in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren nicht wieder aufgenommen.

Kein Skandal und ebenfalls von der freien Presse nicht aufgegriffen ist, dass dem US-“Verteidigungs“mininsterium zudem für Alltagsgüter z.T. exorbitant hohe Rechnungen gestellt wurden, z.B. im Jahr 2003 etwa 7.000 $ für eine Kaffeetasse (wobei natürlich nicht nur eine beschafft wurde…), oder 20 $ für einen normalen Nagel. Aber hierfür gibt es wenigstens Belege …


Weitere nützliche Dinge, die das DoD bestellt hat (z.B. 2002):

432 $ für eine Jeannie-Lampe

19.000 $ für einen dekorativen Stein

5.000 $ für einen Cowboy-Hut

4.600 $ für „beach sand“, zu liefern an eine Luftwaffenbasis in den Vereinigten Arabischen Emiraten


Aber auch bei den Transportkosten lässt sich das US-Militär nicht lumpen. 2004 wurde z.B. ein Rohrbogen mit einem Listenpreis von 8,75 $ für 445.600 $ verschifft, ein weiteres Ersatzteil mit einem Listenpreis von 10,99$ für 492.096 $. Usw., usw..

Mein Highlight war der Transport von zwei Ersatzteilen mit einem Listenpreis von jeweils 19 Cent für sage und schreibe 998.798 $.


  


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[1] Die Fakten habe ich hauptsächlich dem Buch „The Complex“ von Nick Turse entnommen. Obwohl die Datenbasis 2007/08 und damit relativ alt ist, gelten die grundsätzlichen Aussagen noch heute.

           

[2] zusammen mit An-Instituten erhielt das MIT im Jahr 2006 sogar mehr als 900.000.000 $ für die Rüstungsforschung.


[3] Dies sind die offiziellen Zahlen. Schaut man sich die Höhe der Rechnungen der Ölkonzerne an das DoD an, sollte man eher von einem Verbrauch von 500.000 Barrel pro Tag ausgehen. Dies sind fast 21.000 Barrel pro Stunde bzw. 5,8 Barrel pro Sekunde oder über 920 l pro Sekunde!


[4] In Wirklichkeit zeichneten sich die Green Barets in Vietnam vor allem durch massive Kriegsverbrechen aus, aber dies nur am Rande...

 

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