8. Der spanische Bürgerkrieg (1936 - 1939)

Im Folgenden stütze ich mich im Wesentlichen auf das Buch „Spain in our Hearts“ von Adam Hochschild. Als weitere Literatur möchte ich auf „Mein Katalonien“ von George Orwell hinweisen, der in diesem Buch seine Erfahrungen bei den internationalen Brigaden (Anarchisten) während der ersten Jahre des spanischen Bürgerkriegs beschreibt. Als Bemerkenswert empfinde ich den Rat von Herrn Orwell:Man weiß nichts mit Sicherheit, außer dem, was man mit eigenen Augen gesehen hat. Bewusst oder unbewusst schreibt jeder voreingenommen und nimmt Partei. ... Der Leser hüte sich vor meiner lebhaften Parteinahme ... [und er hüte sich vor der Parteinahme anderer].“


Ich werde nicht den eigentlichen Kriegsverlauf beschreiben, sondern mich auf die Rolle der westlichen Staaten (USA, Großbritannien und Frankreich) in diesem Krieg beschränken.



8.1 Überblick

  
Der spanische Bürgerkrieg dauerte mit dem Putsch von Franco am 17.07.1936 und endete mit der Niederlage der legitimen, frei gewählten Regierung am 01.04.1939.
Der spanische Bürgerkrieg war bei Licht betrachtet kein Bürgerkrieg, weil auf der Seite der Faschisten fast nur Söldner kämpften:

  • etwa 50.000 italienische und
  • 10.000 deutsche Soldaten (Legion Condor [87]) sowie
  • etwa jeder 7te wehrfähige Mann in Spanisch Marokko
Eine weitere wichtige Quelle für Franco-Soldaten waren Kriminelle (spanische und ausländische), denen man eine Verbüßung der Strafe erließ, falls sie auf Francos Seite kämpften. Insgesamt also eine – vorsichtig ausgedrückt – interessante Truppe.
Obwohl die Faschisten den Republikanern in allen relevanten Belangen (ungehinderter Nachschub, Öl, Flugzeuge, Artillerie, Seestreitkräfte, ausgebildete Söldner in großer Zahl; siehe Kapitel 8.2) spätestens seit 1937 haushoch überlegen waren, schleppte sich der Krieg noch weitere fast zwei Jahre hin – eben weil es den Franco-Truppen Söldner waren. Daraus kann ich nur schließen, dass die Franco-Diktatur gegen die überwältigende Mehrheit der spanischen Bevölkerung eingerichtet wurde.
         

8.2   Das Waffenembargo

  
Nach Beginn des „Bürgerkrieges“ erklärten sich die westlichen Staaten (USA, Großbritannien und Frankreich) schnell als neutral und ließen ein Waffenembargo verhängen, das beide Parteien treffen sollte, praktisch aber nur die Regierung traf. Zur Durchsetzung des Embargos bediente man sich – kein Scherz – auch der deutschen Kriegsmarine.

Neben der Sowjetunion [88] schlug sich nur Mexiko auf die Seite der legitimen Regierung, auf die Söldner-Seite (Franco) griffen dagegen Deutschland und Italien massiv durch Waffenlieferungen und dem zur Verfügung stellen von Söldnern sowie das diktatorische Portugal mehr oder weniger offen ein.
      

 

8.3 Indirekte Unterstützung von Franco durch die britische und US-Regierung

  
Im Westen weigerten sich alle großen Konzerne, Waffen und Ausrüstung an die Republik zu liefern, obwohl Spanien zu der Zeit über die größten Goldreserven weltweit verfügte. Die Weigerung lang nicht daran, dass die Republik zahlungsunfähig war.

Auf der anderen Seite war die Söldner-Seite (Franco) weitgehend mittellos. Trotzdem lieferten nicht nur Italien und Deutschland massiv Waffen und Ausrüstung an die Franco-Truppen, sondern auch zahlreiche westliche Konzerne. Und dies auf Pump, d.h. die westlichen Konzerne konnten nur auf Bezahlung hoffen, falls Franco gewinnt.

Zu den Franco-Unterstützern rechneten General Motors, Ford und Studebaker, die LKW und Fahrzeuge lieferten, Fireston mir Reifenlieferungen und Texaco mit Öllieferungen und Krediten (!) [89].
 
Die Franco unterstützenden US-Konzerne verstießen damit selbstverständlich gegen US-Recht, das Management wäre theoretisch mit bis zu 5 Jahren Haft zu bestrafen. Die Ermittlungen der US-Justiz wurden aber so weit verschleppt, dass am Ende lediglich eine Geldstrafe für Texaco in Höhe von 22.000 $ herauskam. Hierin etwas anderes, als eine versteckte Unterstützung von Franco durch die US-Regierung zu sehen, fällt schwer.

Aber die Unterstützung ging noch viel weiter: In den ersten Tagen des Putsches, als dessen Erfolg keinesfalls sicher war, erlaubte der britische Kommandeur von Gibraltar den Putschisten die Nutzung seiner Kommunikationseinrichtungen und versorgte diese zudem mit Munition. Dies hatte selbstredend keine Konsequenzen für den Kommandeur.  

1937 begann die italienische Marine mit einer Blockade der republikanischen Mittelmeerhäfen. Dabei wurden in internationalen Gewässern Passagierschiffe und Frachtschiffe, die verdächtig waren, republikanische Häfen anzulaufen, ohne Vorwarnung versenkt. Mit den Versenkungen wurden in einem nicht unerheblichen Umfang französische, britische und US-amerikanische Bürger getötet. Reaktionen der westlichen Regierungen und der freien Presse: keine... [90]

Großbritannien und die USA griffen aber auch an anderer Stelle ein. Durch die (illegale) Seeblockade gab es für die republikanische Seite praktisch nur noch die Grenze zu Frankreich für eine Versorgung mit Waffen aus der Sowjetunion. Da Frankreich zu dieser Zeit über eine Volksfrontregierung verfügte, öffnete sie Anfang 1938 ihr Territorium für die Durchleitung sowjetischer Waffen. Doch schon drei Monate später schloss Frankreich auf massiven Druck von der britischen und US-amerikanischen Regierung die Grenze wieder [91]. Hierin etwas anderes zu sehen, als den Wunsch der westlichen Regierungen für einen Franco-Sieg fällt schwer.
 

Ebenso versuchten die westliche Regierungen ihre eigenen Staatsbürgern am Beitritt zu den internationalen Brigaden [92] zu verhindern. Beispielsweise wurden Pässe von US-Bürgern mit dem Verweis gestempelt: „Nicht für die Ausreise nach Spanien“. Der US-Konsul in Paris drohte außerdem (illegalerweise) US-Bürgern, ihnen würde ihre Staatsbürgerschaft aberkannt, falls sie nach Spanien gehen und für die internationalen Brigaden kämpften.


     

8.4 Warum?

  
Warum haben die westliche Regierungen (mit teilweiser Ausnahme Frankreichs) de facto Franco unterstützt?

Die Antwort ist einfach: Weil die Eliten im Westen die Volksfrontregierung in Spanien verabscheute. Franco dagegen garantierte die westlichen „Investitionen“. Außerdem konnte eine erfolgreiche Volksfront in Spanien ein Beispiel auch für westliche Staaten sein.


Dies galt, weil besonders in Katalonien und in Aragon die Anarchisten (zu denen sich auch Georg Orwell zählte) relativ stark waren [93].  Diesen gelang es zu Beginn des Krieges, obwohl unzureichend bewaffnet, die faschistische Machtergreifung in Katalonien zu verhindern. Hinzu kam – wesentlich schlimmer für die Eliten im Westen – dass die Anarchisten mit ihrer Vergesellschaftung von Betrieben und Land durchaus wirtschaftlich erfolgreich waren. So stiegen die landwirtschaftlichen Erträge nach der Kollektivierung und Verteilung an landlose Bauern um über 20%.

Obwohl viele (gute) Journalisten aus dem Westen über den Bürgerkrieg berichteten, verirrte sich aber nie jemand in die von den Arbeitern verwalteten Fabriken, niemand beachtete die Bauern, die ihr Land selber oder im Kollektiv bewirtschafteten. War dieser Gegenentwurf wirklich so langweilig, dass man darüber nicht berichten konnte?

Aber es half der republikanischen Regierung nichts, dass sie 1937 die Anarchisten entwaffnete [94], und die Errungenschaften der Revolution zu großen Teilen rückgängig machte. Die westlichen Eliten vertrauten lieber dem Original Franco.

Wer weiß - so Georg Orwell - was geschehen wäre, falls nicht das „demokratische Spanien“ sondern das „revolutionäre Spanien" 1936 / 37 um Hilfe gerufen hätte. Ob es dann bei den paar 1.000 Menschen für die internationalen Brigaden geblieben wäre?
     



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[87] Die deutschen Soldaten wurden regelmäßig ausgetauscht, um Kampferfahrungen und Erfahrungen mit neuen Kriegstaktiken zu gewinnen. Die Unterstützung durch die Wehrmacht beschränkte sich dabei in der Regel auf die Luftwaffe und die Ausbildung an Panzern.
Im Gegensatz dazu schickte Mussolini auch italienische Bodenkampftruppen, die aktiv in die Kämpfe eingriffen.
Während die deutschen Soldaten Freiwillige waren, die wussten was sie taten, bestanden die italienischen Truppen zu einem Großteil aus Wehrpflichtigen, denen häufig noch nicht einmal gesagt wurde, wo sie eingesetzt werden. Daher kam es häufiger dazu, dass italienische Soldaten – besonders in den ersten beiden Kriegsjahren – die Seiten wechselten – erst recht, falls sie den italienischen Abteilungen der Internationalen Brigaden gegenüber standen.


[88] Die spanische Regierung lehnte noch zu Beginn des „Bürgerkriegs“ eine Unterstützung durch die Sowjetunion ab, da sie fürchtete, andernfalls die Unterstützung der Westmächte zu verspielen. Erst nachdem auch dem letzten Idealisten klar war, dass es dort nichts zu verspielen gab, weil mindestens  die Regierenden Großbritanniens und der USA mit Franco sympathisierten, nahm die spanische Regierung die Unterstützung durch die Sowjetunion an.


[89] Texaco informierte die Faschisten darüber hinaus über Öllieferungen an die Republik aus anderen Quellen und gab die geplanten Routen an. Diese konnten dann in internationalen Gewässern von italienischen U-Booten, die an Franco „verliehen“ wurden, versenkt werden.
Nebenbei: Das Versenken von unbewaffneten Handelsschiffen in internationalen Gewässern interessierte weder die US- noch die britische Marine. Soviel zum Schutz des freien Handels / von offenen Seewegen.
 
[90} Man vergleiche die öffentlichen Reaktionen nach den Versenkungen von Passagierschiffen in internationalen Gewässern vor Spanien ab 1937 mit denen nach der Versenkung der Lusitania knapp über 20 Jahre früher...
  
[91] Die britische und die US-Regierung haben Frankreich schon im März 1937 massiv bedroht, ihre Grenze zu Spanien gegen einen Transit von Freiwilligen für die internationalen Brigaden zu „sichern“.  Wer verdächtig war, für die internationalen Brigaden kämpfen zu wollen, wurde von Frankreich in sein Heimatland abgeschoben (was besonders für Deutsche und Italiener mehr als bitter war).
 
[92] Nie zuvor (und eigentlich auch nie später) gab es etwas vergleichbares, wie die internationalen Brigaden. Menschen, die ihre Länder verließen, um einen Kampf in einem ihnen unbekannten Land entsprechend ihren Überzeugungen aus übernationaler Solidarität zu führen. Und dies alles gegen den Willen ihrer eigenen Regierungen.
Bei den internationalen Brigaden kämpften im übrigen auch zahlreiche deutsche und italienische Menschen, besonders den Italienern ist es mehr als einmal gelungen, ihre italienischen Gegenüber zum Überlaufen zu bewegen.
Und noch etwas war bei den Internationalen Brigaden für die Neuzeit im Westen einmalig: Es gab bei den Kampftruppen schwarze Vorgesetzte, die ohne Probleme weiße befehligt haben. 
Frauen, die bei den internationalen Brigaden in den Sanitätsabteilungen dienten erwartete dabei bei Gefangennahme durch die Franco-Truppen nichts Gutes: Sie wurden regelhaft mehrfach vergewaltigt und danach – oder dabei - bestialisch  ermordet. Trotz dieses Wissens blieben viele Frauen. 
Aber vielleicht schreckte gerade diese übernationale Solidarität, der fehlemnde Rassismus und die beginnende Gleichberechtigung von Mann und Frau die Regierenden im Westen ...


[93] Auch die Stalinisten, / Sowjetunion bekämpften in Spanien die die Anarchisten so gut es ging.


[94] Als in Barcelona die Anarchisten entwaffnet wurden, waren auch zwei britische Zerstörer und ein Kreuzer im Hafen anwesend. Um britische Interessen zu vertreten ...

  Es ist eine der scheußlichsten Züge des Krieges, dass alle Kriegspropaganda, alles Geschrei, alle lügen und aller Hass ständig von Leuten kommen, die nicht kämpfen ... und lieber 200 km gelaufen wären, als sich am Kampf zu beteiligen.    Als eine der traurigsten Wirkungen dieses Krieges erkannte ich, dass die Presse der Linken [meist] bis ins kleinste genau so falsch und unehrlich war, wie die der Rechten.


George Orwell

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